DIVINA COMMEDIA.

Über eine mögliche Construction der Hölle des Dante.

„Da Dante in den zwei untern Höllenkreisen so genaue Maasse angiebt, so möchte man wohl der Vermuthung Raum geben, dass er auch für das ganze grosse Höllengebäude eine bestimmte Construction entworfen habe. Bei dem Mangel näherer Angabe kann man aber gegenwärtig nur eine Construction liefern, wie sie Dante möglicher Weise im Sinne gehabt haben könnte; niemand ist aber im Stande, zu behaupten, dass er des Dichters Meinung auch wirklich getroffen habe. (...)

Die Hölle ist nach Dante’s Annahme ein cirkelförmiger Trichter, dessen Spitze im Mittelpunkt der Erde befindlich ist, und dessen Durchschnitt einen Cirkelausschnitt eines größten Kreises der Erdkugel bildet. Auf dem Gipfel dieses Kreisausschnittes liegt Jerusalem oder, wenn nach Plan II der halbe Durchschnitt des Höllentrichters ACD ist, bei D. Um die Breite des Trichters zu gewinnen, muss man daher zunächst Punkt A oder den Eingang der Hölle bestimmen. (...) Die Linie AB oder der Halbmesser der obern Öffnung des Trichters wird sonach 2298 It. Miglien betragen, wenn man, nach Dante’s eigener Angabe im Convito, den Erddurchmesser zu 6500 Miglien rechnet. Eine gleiche Länge erhält man für die Linie BC oder die perpendiculäre Höhe des Trichters (seine Überwölbung abgerechnet).“

Aus: Dante Alighieri’s GÖTTLICHE KOMÖDIE. Metrisch übertragen und mit kritischen und historischen Erläuterungen versehen von Philalethes. Vierter unveränderter Abdruck der berichtigten Ausgabe von1865/66. Erster Theil: Die Hölle. Verlag von B. G. Teubner, Leipzig 1891.