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Die Chemnitzer Kreuzkirche: Ein Bau von Otto Bartning 1936 - 1996 Schon 1880 plante man die Errichtung einer Kirche auf dem Chemnitzer Kaßberg, aber erst über 50 Jahre später konnte die Kreuzgemeinde ihren eigenen Kirchbau weihen. Der erste Weltkrieg und die Inflation verhinderten die Verwirklichung, bis schließlich 1934 ein Ideenwettbewerb ausgeschrieben wurde. Im Preisgericht waren neben den Vertretern der Kirche bedeutende Architekten: der Berliner Heinrich Tessenow, Paul Bonatz aus Stuttgart und der Chemnitzer Stadtbaurat Fred Otto. 1935 wurde beschlossen, einen Entwurf des damals renommierten Berliner Architekten Otto Bartning auszuführen. Ein Jahr später wurde die Kirche fertiggestellt. Otto Bartning (1883-1959) gehört zu den Protagonisten der modernen Architektur in Deutschland. Nach seinem Studium in Karlsruhe und Berlin arbeitete er von 1906 bis 1928 als freier Architekt in Berlin. Er war Mitglied des Deutschen Werkbundes und im Arbeitsrat für Kunst tätig. Er wirkte als Lehrmeister am Bauhaus Weimar und war von 1926 bis 1930 Leiter der Staatlichen Hochschule für Baukunst, Bildende Künste und Handwerk in Weimar. Berühmt sind seine expressionistischen Architekturentwürfe und Bauten der 20er Jahre, insbesondere die Pläne zum Bau der Sternkirche von 1922. Otto Bartnings Aufsätze »Vom neuen Kirchenbau« (1919) und »Die Stahlkirche« (1928) sind wichtigste Zeugnisse seiner publizistischen Tätigkeit. Bartnings Kirchbau in Chemnitz gehört zum wenig bekannten Spätwerk des Architekten und entbehrt der frühen Expressivität und Bewegtheit. Für die Kreuzgemeinde entwarf der tief religiöse Bartning einen Bau von schlichter Klarheit. 1945 wurde die Kirche durch Bombenangriffe teilweise beschädigt, aber bereits wenige Jahre später rekonstruiert. Anhand zahlreicher zeitgenössischer Wettbewerbsunterlagen, Baupläne und Fotografien können Planung und ursprüngliches Aussehen des Kirchengebäudes anschaulich gezeigt werden. Diesen historischen Dokumenten werden aktuelle Fotografien des Leipziger Fotografen Hans-Christian Schink beigefügt. Berichte in überregionalen Bauzeitschriften und den Chemnitzer Tageszeitungen von 1936 spiegeln die Reaktionen auf den Neubau. Vergleiche mit anderen Kirchenbauten der 20er und 30er Jahre werden die Qualität der Chemnitzer Kreuzkirche von Otto Bartning im Kontext der modernen Kirchenarchitektur in Deutschland aufzeigen können. Heute gewinnt die Chemnitzer Kreuzkirche zunehmende Bedeutung als Konzertraum. Die Publikation soll einen Beitrag zur wissenschaftlichen Aufarbeitung Chemnitzer Architekturgeschichte und der Geschichte des Deutschen Werkbundes in Sachsen leisten. Damit schließen die Autoren an das Ausstellungs- und Publikationsprojekt »Chemnitzer Industriearchitektur 1890-1930« (Thom-Verlag Leipzig, 1995) an. Zugleich wird die Historie der mehr als 80jährigen Chemnitzer Kreuzgemeinde anhand ihres Gotteshauses dargestellt. Ausschlaggebend für die Initiative, gerade jetzt eine monographische Publikation zu einer Chemnitzer Kirche zu erarbeiten, ist vordergründig das 60jährige Baujubiläum der Kreuzkirche, das 1996 begangen werden kann. Zudem ist festzustellen, daß fast alle Chemnitzer Kirchen nur sehr spartanisch mit Veröffentlichungen zur eigenen Bau- und Gemeindengeschichte ausgestattet sind. Mit dem geplanten Projekt kann also ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Aufarbeitung Chemnitzer Kirchengeschichte gegangen werden. Die Kreuzkirche gehört zu den jungen, nicht zu den über Jahrhunderte gewachsenen Kirchen. Entscheidend ist jedoch, daß die Architektur von Otto Bartning zweifellos zu den herausragenden Chemnitzer Bauleistungen des 20. Jahrhunderts zählt, die Kreuzkirche somit zum wertvollen, weil größtenteils zerstörten Vorkriegsstadtbild gehört. Der Text sowie das historische und aktuelle Bildmaterial können dem Leser Einblick geben in das Werden und bewegte Schicksal einer Chemnitzer Kirche und deren Gemeinde. Inhaltsverzeichnis | Bilder | Kurzinfo | Pressestimmen | Bestellung |