Der Kaßberg
Ein Chemnitzer Lese- und Bilderbuch
Herausgegeben von Tilo Richter

(vergriffen)

Das Buch soll dem Leser das Schicksal eines der schönsten Chemnitzer Quartiere vor Augen führen. Dabei werden persönliche Erinnerungen und Wertungen mit den historischen Fakten zu einem ebenso spannenden wie anregenden Kaleidoskop von Stimmungen verschmelzen.
Historisches und aktuelles Foto- und Kartenmaterial führt dem Betrachter vor Augen, wie sich die Erscheinung des Kaßbergs wandelte und wie sich der Stadtteil heute präsentiert.
Die bildgewordene Sicht Chemnitzer Künstler auf das vielgestaltige Areal inmitten der Industriestadt und eine gediegene Gestaltung verleihen dem Buch seine ästhetische Qualität.

Schon in früheren Jahrhunderten unternahm man wiederholt den Versuch, die Herkunft des Namens »Kaßberg« zu ergründen: In »kaska« (Jungfrau) - der Berg, auf dem sich die Jungfrauen ergingen - sah man die Wurzel. Oder aber in »castra« (befestigtes Lager), weil den Kaßberg einst eine Burg, mindestens aber Befestigungsanlagen gekrönt haben sollen. Wahrscheinlicher ist der Zusammenhang mit dem slawischen Wort »katz« - was soviel wie unfruchtbarer oder schlecht geackerter Berg gemeint haben könnte.
So heißt der Berg erst seit Anfang des 18. Jahrhunderts nicht mehr Katz- sondern Kaßberg. Und tatsächlich blieben große Teile des mächtigen Hügels lange Zeit unberührt: Nur die Bierkeller der Stadtbrauereien waren seit dem 16. Jahrhundert Zeichen der Urbanisierung. Die Bierbrücke an der heutigen Markthalle war 1538 eine der wenigen Verbindungen zwischen Stadt und Kaßberg. In Kriegszeiten wurde der Berg strategisch wichtig: In dunklen Zeiten »tummelte sich allerei Kriegsvolke auf dem Kaßberge«.

Der Beginn der eigentlichen Besiedlung des Kaßbergs ist recht genau festgehalten: Der Lehrer Johann Friedrich Stahlknecht errichtete 1855 sein Wohnhaus hier.Um das Jahr 1900 wurde der Kaßberg zum nobelsten Chemnitzer Stadtviertel. Ganze Mietshäuser waren bewohnt von Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft; kaum ein Unternehmer verzichtete auf diese renommierte Adresse über der Stadt. Auch öffentliche Gebäude gehörten bald zum Gesicht des Kaßbergs: das Gericht, die Berufsschule, ein Gymnasium sowie einige Kirchen und die Synagoge. Die für Chemnitz so typische Industrie hielt man weitgehend fern. Einige Parks und dichte Baumreihen in fast jeder Straße prägen bis heute das besondere Flair.

Der Chemnitzer Kaßberg gehört zu den europäischen Kleinoden der Gründerzeit- und Jugenstilarchitektur der Jahre zwischen 1880 und 1910.


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