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Dezember
2000 Carlfriedrich Claus AUSZUG Carlfriedrich Claus, Brief an R. Mayer, 1. Juni 1975 Und kam zu dem Ergebnis: ... [ich] werde ... die hiesige Wohnung als Stätte der Konzentrierten Arbeit behalten, bis an mein lebensende. Nicht aus irgendeiner Marotte oder Seßhaftigkeit oder unsozialen Verhaltens heraus, sondern einzig und allein, um meine Arbeit intensiv weiterführen zu können. Es mag wie ein Witz klingen: Sie wissen ja als ‘Wohnung’ ist sie so, wie ich sie einrichtete, alles andere als schön + : aber sie bietet unvergleichlich gute Arbeitsbedingungen. Das ist objektiv nachweisbar. Meine sämtlichen Sprachblätter, Essays, Klangtexte analyt. Untersuchungen sind hier entstanden. Für die Produktion meiner Sachen ist strenge Klausur notwendig; dabei ist das unterschwellige Gefühl und Wissen: allein in diesem Hinterhaus zu sein, unter mir die Ölheizg., über mir die Bühne des Kinos, ein sehr positiver, arbeitsstimulierender Wert; hinzu kommt meine affektuöse Beziehung zu der spezifischen Kino-, Beton-Atmosphäre. Und: die Lage der Whg. ist für mich denkbar günstig: sie befindet sich im Zentrum Anbgs. (was wichtig ist, da ich oft mehrmals am Tag zur Post muß) + und ist doch völlig isoliert, hat Forschungslabor-Charakter. Ich werde bei der Arbeit nicht gestört und störe niemanden durch mein meist nächtliches Arbeiten. ... Carlfriedrich Claus, Brief an S. Ramm, 7. Juli 1997 Und dieser Tage las ich in der Zeitung der Annaberger Ausgabe der »Freien Presse«, dass der »Gloria Palast« weiterverkauft worden ist, seit dem 1. Juli einen neuen Besitzer hat. Ich bin gespannt, was nun auf mich zukommen wird. Meine Whg. dort ist ja noch gefüllt. Zum Giessen der Pflanzen fahre ich wöchentlich einmal nach Abg. ... Carlfriedrich Claus, Interview in Freie Presse, Ausgabe Annaberg, 4. Februar 1998 Ich habe die Annaberger Wohnung au fond nicht verlassen und bin doch in der Chemnitzer Behausung angekommen. Das »Pendeln« hängt mit meiner Einstellung zum Leben selbst zusammen: Als Selbst-Experiment. Dabei wird Dir immer intensiver bewußt, daß es »Heimat« im strengen Sinn nicht gibt, bzw. »noch nicht« gibt. Carlfriedrich Claus, Fax an G. Juppe, 26. Februar 1998 Ein Trost war nach dem Sterben meiner
Mutter, dass nur Zeit zwischen ihrem und meinem Tod liegt.
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